Initiative Nachrichtenaufklärung - Die Rangliste 2007
Es ist soweit, die “Initiative Nachrichtenaufklärung” gibt heute ihre Rangliste der 2007 von den Medien vernachlässigten Themen bekannt. Es geht u.a. um Absprachen von Tarifen im deutschen Handynetz, dem Qualitätsverlust im Journalismus, den Unfruchtbarkeitsstudien in Europa, den schweizer Plänen neue Atomkraftwerke aufzubauen und der Entschädigung für deutsche Kolonialverbrechen in Afrika.
Wie? Davon hast du nichts gewusst? - Ist ja klar, es berichtet ja auch keiner darüber!
Mit der Toplist möchte die Initiative stiefmütterlich behandelte Themen etwas mehr ins Rampenlicht rücken und wie ich vor fast 2 Jahren berichtete, ist jeder herzlichst dazu eingeladen auch sein Top Thema dort einzureichen.
Die acht Top-Themen 2007 im Einzelnen:
1. Absprachen über Terminierungsentgelte im deutschen Handynetz
Deutsche Handynutzer zahlen seit Jahren zu hohe Minutenpreise, da es zwischen den vier Netzbetreibern T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus Absprachen über die Terminierungsgebühren gibt. Darunter werden die Kosten verstanden, die bei einem Anruf in ein anderes deutsches Mobilnetz entstehen. Hier lagen Verabredungen zwischen den Betreibern über ein dauerhaft hohes Niveau vor. So entsteht den Nutzern ein jährlicher Schaden, der in die Milliarden geht. Dieses Problem wurde aufgrund der intensiven Mediendebatten über zu hohe Roaminggebühren überdeckt.
2. Politiker behindern Einrichtung von Ombudsstellen
In Deutschland herrscht unter Abgeordneten eine verbreitete Abneigung gegenüber der Einrichtung von Ombudsstellen. Dabei könnten sie bei der Konfliktschlichtung zwischen Bevölkerung und Staat eine wichtige Rolle spielen und so der zunehmenden Politikverdrossenheit entgegenwirken. Politikwissenschaftler halten sie für geeignete Institutionen, um die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger und die Kontrolle des Parlaments zu erhöhen. Andere europäische Länder wie Spanien verfügen bereits über ein ausgefeiltes System regionaler und nationaler Bürgeranlaufstellen. In den Medien wird nur unzureichend über die Möglichkeiten und Mechanismen von Ombudsstellen berichtet. Dies liegt auch am mangelnden Engagement der Parlamentarier.
3. Qualitätsverluste im Journalismus
Schon heute arbeitet in Deutschland jeder dritte Journalist ohne feste Anstellung. Die seit 2001 anhaltende Medienkrise lässt die Zahl der „Freien“ weiter wachsen. Fehlender Kündigungsschutz und unzureichende soziale Absicherung führen zu gravierenden Qualitätseinbußen. Journalisten recherchieren weniger und verlassen sich zunehmend auf PR-Material. Unabhängige Information wird immer seltener. Da Medienbetriebe durch diese Entwicklung Kosten sparen, wird darüber kaum berichtet.
4. Chemikalien gefährden die Fruchtbarkeit – eine „tickende Zeitbombe“?
Viele Chemikalien, mit denen der Mensch im Alltag in Berührung kommt, wie Lacke oder Kosmetik-Bestandteile, können Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Menschen nehmen. Nach einer großen Mediendebatte Mitte der 90er Jahre wurde das Thema von deutschen Medien kaum noch aufgegriffen – obwohl diese Stoffe biologisch nicht abbaubar sind, und ihre Konzentration in der Umwelt stetig zunimmt. Einige Experten sprechen deshalb schon von einer „tickenden Zeitbombe“, über die es EU-weit auch zahlreiche neue Studien gibt.
5. Städte kippen den Baumschutz
In vielen Städten und Gemeinden werden übermäßig Bäume gefällt – ersatzlos. Möglich wird das durch die Abschaffung der Baumschutzsatzungen. Trotz der lauten Debatten über Umweltzonen in den Städten und das globale Klima spielt das Thema lokale Abholzung und seine Auswirkungen auch auf das Stadtklima so gut wie keine Rolle in der überregionalen Berichterstattung.
6. Die Schweiz beschließt neue Atomkraftwerke
Der Schweizer Bundesrat setzt auch für die nächsten Jahrzehnte bei der Energieversorgung vor allem auf Atomkraft. Alte Atomkraftwerke sollen erneuert werden, sogar Neubauten sind im Gespräch. Obwohl seit der weltweiten Klimadebatte auch in Deutschland wieder über Atomkraft diskutiert wird, findet die Grundsatzentscheidung unseres Nachbarlandes in den deutschen Medien kaum statt.
7. Fragwürdige Auslandsgeschäfte der WestLB
Die WestLB hat das Goldminenprojekt eines australischen Konzerns in Indonesien mit einem Kredit unterstützt. Der zuständige Provinzgouverneur und Teile der Bevölkerung sahen die Umwelt und den Tourismus in ihrer Region aber durch eine schadstoffintensive Goldförderung gefährdet. Die WestLB, an der Nordrhein-Westfalen fast 50 Prozent hält, war bereits früher wegen ihrer Finanzierung riskanter Vorhaben in Entwicklungsländern in die Kritik geraten. Die fehlende Transparenz derartiger Auslandsgeschäfte erschwert es der Politik und Bürgern, die finanziellen, sozialen und ökologischen Risiken solcher Vorhaben richtig einzuschätzen. Im vorliegenden Fall beendete die WestLB (nachdem erste Zahlungen bereits erfolgt waren) ihr Engagement Anfang dieses Jahres, weil das indonesische Umweltministerium keine Genehmigung für die Förderung in der bereits fertig errichteten Mine erteilte.
8. Bundestag debattiert erstmals über Entschädigung für deutsche Kolonialverbrechen in Afrika – und keiner berichtet
Im Juni 2007 wurde erstmals im Bundestag über eine finanzielle Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika debattiert. Obwohl diese vielfach als Völkermorde bewertet werden, berichten lediglich der englische Dienst der Deutschen Welle und die „Junge Welt“ – Nachrichtenagenturen kündigten weder den Termin an, noch lieferten sie Nachberichterstattung. Dadurch war der Debattentermin in den meisten Redaktionen unbekannt.

4. September, 2008 um 06:00
Danke für den Beitrag. Er ist sehr hilfreich!!
Grüße
Joachim
20. September, 2008 um 18:00
Flickr Bild, Monte Verita
Hi Annette,
wir sind zwei Grafikdesignerinnen aus Amsterdam und haben schon versucht dich ueber deine Fickr Seite zu kontaktieren.
Wir arbeiten an einem Begeleitbuch fuer eine Reihe von Lesungen die an unserer Uni stattfinden. Uebergreifendes Thema der Lesungen ist ein frueheres Kuenstlerkollektiv, das auf dem Monte Verita gelebt hat.
In unserem Buch moechten wir den Berg selbst abbilden, und suchen nun das richtige Bild. Bei Flickr sind wir auf dein Bild (M3391D-1001 Monte Verita) aufmerksam geworden—es passt perfekt in unser Buch.
Wir wuerden uns freuen mit deinem Foto arbeiten zu koennen und dich als dessen Urheber anzufuehren. Da es sich um ein Uni Projekt handelt steht uns kein Budget fuer Bilder zur Verfuegung, deswegen sind wir auf ein lizenzfreies Bild angewiesen.
Es waere toll wenn du dich entscheidest uns dein Bild zur Verfuegung zu stellen, gerne schicken wir die auch ein gedrucktes Buch.
Beste Gruesse aus Amsterdam,
Jenny und Nora